Gregor Traber vor Olympia: "Ich habe noch nicht alles gezeigt"

Gregor Traber ist Hürdenläufer aus Leidenschaft und tritt in wenigen Tagen zum zweiten Mal bei den Olympischen Spielen für Deutschland an. Seit 2020 wird der gebürtige Tettnanger von werk :b events betreut und beraten. Im Interview blickt er auf Tokyo 2021 voraus.



(Foto by Jens Arbogast)


Gregor, am Wochenende werden die Olympischen Sommerspiele in Tokyo offiziell eröffnet. Die ersten Wettkämpfe haben bereits stattgefunden. Wie fit bist Du und was hast Du Dir für Deine zweiten Spiele vorgenommen?

Ich will die Zeit hier genießen und möglichst gut abschneiden, weil nur dabei sein für mich eben nicht alles ist. 2016 habe ich um zwei Hundertstel das Finale verpasst. Das will ich 2021 schaffen. Nach meiner Knie-OP bin ich wieder voll auf der Höhe und möchte im Vorlauf meine beste Saisonleistung zeigen, damit mein Final-Traum wahr wird.

2021 war bisher unter dem Strich ein erfolgreiches Comeback-Jahr für Dich. In der Mixed-Staffel bist Du über die 4x110 Meter Weltmeister geworden. Auch bei der Kurpfalz-Gala warst Du erfolgreich. Dann gab’s bei den Deutschen Meisterschaften einen kleinen Dämpfer. Du nimmst aber dennoch einiges an Rückenwind mit oder?

Die Saison hat mit dem WM-Titel wirklich sehr gut begonnen. Es ist toll, sich Hürden-Weltmeister zu nennen und mit der Deutschland-Fahne durchs Stadion zu laufen, auch wenn es bei 7 Grad war. Die Zeiten danach sprechen für sich und haben gezeigt, dass da noch Luft nach oben war. Ich musste mir mein technisches Gefühl wieder erarbeiten und das ist mir zum Glück gelungen. Der Rückenwind ist da und den will ich nutzen.

Bitte erzähl uns ein bisschen von Deinen Erfahrungen bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio und gib uns einen Ausblick auf Tokyo 2021.

Damals war quasi Winter. Die Wege waren sehr weit und wir haben sehr spartanisch gewohnt. Trotzdem war es eine fantastische Erfahrung für mich. Die diesjährigen Spiele werden komplett ohne Zuschauer stattfinden, was sehr traurig ist. Sie stehen stark unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Schon seit wir für die Vorbereitung hier in Miyazaki sind, ist unser Bewegungsradius stark eingeschränkt. Wir werden täglich getestet und verlassen das Dorf quasi nur um zu trainieren. Nach den Spielen werden wir auch wieder sehr schnell abreisen. Trotzdem ist die Vorfreude gewaltig. Es ist ein Geschenk, hier dabei sein zu dürfen. Ich fühle mich gut und werde in Topform an den Start gehen.

Wann genau wird man Dich denn in Tokyo im Einsatz sehen? Müssen sich die Fans in Deutschland den Wecker stellen?

Der Vorlauf findet am 3. August um 19.00 Uhr Ortszeit statt. Das entspricht 12.00 Uhr in Deutschland. Es muss sich also keiner einen Wecker stellen. Das Halbfinale findet dann am Vormittag statt. Das ist ungewohnt, aber ich werde mich da schnell anpassen und alles geben fürs Finale.

Du warst fast zwei Jahre verletzungsbedingt außer Gefecht. Wie schwer war es für Dich zurückzukommen? Wie hat Du Dich tagtäglich motiviert?

Jede Verletzung hinterlässt Spuren, mental und körperlich. Bei mir ist es so, dass ich schon recht häufig verletzt war und mich immer wieder zurückkämpfen musste. Es ist nicht leicht, weil man jedes Mal aufs Neue den Rhythmus verliert. Aber ich bin im besten Hürdenalter und der Sport ist meine Leidenschaft und meine Berufung. Das ist Motivation genug. Es ist ein Traum, das tun zu dürfen was ich liebe und ich glaube ich habe noch nicht alles gezeigt.

Das wirst Du dann hoffentlich in Tokyo tun. Wir bedanken uns ganz herzlich für Deine Zeit und wünschen Dir alles Gute!